Mimosendiagnose


Eine handlungsbasierte Lichtinstallation
SS 2023

Studierende

Otso/Anna Scharf


Projektbetreuung

Prof. Burkhard Detzler


Studiengänge

Media Art & Design


Richtung

Animationsfilm
Lichtinstallation


Projektart

Bachelor

Otso/Anna Scharf: Mimosendiagnose, Bachelor Media Art & Design, 2023, Szene 9

Jeden Tag sind Menschen von Reizen umgeben, und jeder Mensch nimmt diese Reize anders war. Kommt es bei manchen Menschen aus dem Autismus Spektrum zu einer Reizüberflutung, kann dies zu einem „Shutdown“ führen: Der Betroffene schaltet sich ab, um seine überladenen Sinne zu schützen. Diese Reaktion scheint zunächst irrational. Doch für Leute aus dem Autismus-Spektrum ist sie essenziell, um mit ihrer sensiblen Wahrnehmung umzugehen. Diesen Umgang zu visualisieren ist die Basis meiner Installation Mimosendiagnose.

Die Gestalten, die im Raum anzutreffen sind, stellen zum einen den Protagonisten und zum anderen die Einflüsse aus seiner Umwelt dar. Der Protagonist selbst ist die Mimosa Pudica in menschlicher Gestalt, auch Sinnpflanze genannt. Sobald zu starkes Licht, Lärm oder Berührung an sie gelangt, zieht sie ihre Blättchen ein; eine Reaktion, um sich zu schützen. Als ideale Metapher für Reizüberflutung versucht die Mimose zu gedeihen und wird von ihren Umwelteinflüssen zum Breaking Point, dem „Shutdown“, gebracht. Diese Kette von Aktion und Reaktion der in den Raum projizierten Animationen und die Charakterisierung der menschlichen Silhouetten wird durch choreographierten Tanz dargestellt.

Die Mimose selbst existiert auf drei Seiten eines Heuballens, so trocken wie das Gras, welches wir seit ein paar Jahren in unseren immer heißer werdenden Sommern antreffen. Auf diesem schon für sie ungeeigneten Grund führt sie ihren Tanz aus, ähnlich wie ein Mensch aus dem Autismus-Spektrum in einer oft nicht auf ihn eingestellten Gesellschaft sein Leben trotzdem Leben muss. Hinter ihr erstrecken sich die Gestalten der Umwelteinflüsse Licht, Lärm und Berührung in voller Größe mit ihren eigenen Zielen und Vorstellungen eines gelungenen Tanzes.

In dieser Raumsituation kommt die Interaktion der Gestalten auf eine fühlbare Ebene. Der Umgang mit Reizen im Alltag wird durch lebhaften Tanz, Charakterinteraktion und handgemachte Effekte im Raum zu einer Performance gemacht. Selbst nach einem „Shutdown“ findet die Mimose zu sich zurück, da es nicht das Ende ihres Gedeihens ist, sondern nur eine Reaktion, die für viele Menschen alltäglich und notwendig ist. Dieser ermüdende Alltag transformiert sich in dieser Installation zu einer hoffnungsvollen Darbietung.

Text: Otso/Anna Scharf
Redaktion: Rita Eschle

 

Abbildungen


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