Peter und Luise Hager-Preis 2021 – Wissen


Aussstellungseröffnung und Preisvergabe im Live-Stream
SS 2021

13.04.2021 – 24.04.2021

Vernissage: 12.04.2021 18:00

Arbeiten von

Marius Buck, Miriam Dockendorf, Julia Gerhards, Seokjin Hong, Jihoon Jung, Hwakyeong Kim, Kyungju Kim, Polina Trishkina, Felicitas Zenke


Verantwortlich

Prof. Dr. Matthias Winzen


Wissenschaftliche Mitarbeit

Katja Pilisi, Leonie Scheidt

Peter und Luise Hager-Preis 2021 – Wissen

 

1. Preis: Polina Trishkina »Das Salz der Erde«

2. Preis: Seokjin Hong »Drin«

3. Preis: Marius Buck »treiben«


Der Preis 

 

Die Peter und Luise Hager-Stiftung lobt seit 2012 gemeinsam mit der Hochschule der Bildenden Künste Saar den Peter und Luise Hager-Preis aus. Der Preis zeichnet studentische Arbeiten und Positionen aus, die qualitativ hochwertig die sinnliche Erfahrbarkeit und Vermittlung von technischen, sozialen sowie kulturellen Prozessen thematisieren. Über die ästhetische Forschung soll dabei eine Wissensproduktion initiiert werden, die jenseits eines positivistisch-wissenschaftlichen Ansatzes aussagekräftig ist.

Aufgabenstellung der aktuellen Wettbewerbsausschreibung war die künstlerische und gestalterische Auseinandersetzung mit dem Thema „Wissen“. Die Medien, mit denen das Thema dargestellt oder behandelt werden konnte, waren dabei für die Studierenden frei wählbar. Entsprechend vielfältig waren die eingereichten Wettbewerbsbeiträge, die z.B. die Auseinandersetzung mit Wissen im digitalen Raum, emotionalen Wahrheiten oder technisch-naturwissenschaftlichen Aspekten von Wissen spiegeln.

Aus allen Einreichungen wählte eine Jury neun Positionen aus, die im Rahmen einer Ausstellung in der Galerie der HBKsaar zu sehen waren. Für die drei besten Arbeiten wurden am Eröffnungsabend Preise mit einer Dotierung von jeweils 1.000 Euro vergeben. Alle weiteren Ausstellungsteilnehmer*innen erhielten eine Aufwandsentschädigung von je 500 Euro.

Da zahlreiche Studierende aufgrund der Corona-Pandemie mit finanziellen Beeinträchtigungen umgehen müssen, wurde die übliche Dotierung des Peter und Luise Hager-Preises für die aktuelle Ausschreibung geändert.
Mit einer Umwidmung eines Teiles der Preisgelder unterstützt die Peter und Luise Hager-Stiftung, in Abstimmung mit dem AStA der HBKsaar, Studierende in finanzieller Notlage und setzt damit ein engagiertes Zeichen gesellschaftlicher Solidarität.

 

Die Arbeiten

 

In Polina Trishkinas Arbeit „Das Salz der Erde“ (1. Preis) ist in einem zweijährigen Verdunstungs-Prozess aus einem in eine Steinsalzlösung getauchten Buch eine Skulptur geworden. In dem von Salzkristallen überzogenen Buchobjekt trifft das Konservierungsmittel Salz auf das kulturelle Konservierungsmittel Buch, in dem Jahrhunderte altes Wissen gespeichert ist: „Wer weiß? Vielleicht kommt irgendwann das Meer wieder in unsere Städte, nimmt Museen, Bibliotheken, alle unsere Artefakte und konserviert alles in einem gigantischen Salzdom.“ (P. Trishkina)

Seokjin Hongs Installation "Drin" (2. Preis) verbindet die Projektionstechnik eines Overheadprojektors mit einem darüber gehängten Glaskugel-Spiel. Was sieht man in der Projektion an der Wand: Einzeller unter dem Mikroskop? Fischeier im Wasser? Gedankenblasen im Gehirn? Die Arbeit greift Fragen auf, die in dem bekanntesten „Bild“ einer Projektion aus der Philosophiegeschichte zum ersten Mal gestellt wurde, dem Höhlengleichnis: Was können wir überhaupt wissen und was sind die Grenzen und Beschränkungen unserer eigenen Erkenntnismöglichkeiten?

Wie findet theoretisches Wissen seinen Weg in die praktische Anwendung? Für seine Arbeit „DaVinciPowerHammer“ hat sich Marius Buck (3. Preis) von Konstruktionszeichnungen von Leonardo da Vinci anregen lassen. Entstanden ist eine digital gesteuerte elektromechanische, Klang produzierende „Maschine“. Eine schneckenförmige Scheibe hebt eine Stange mit verdicktem Kopf an und lässt sie auf eine gepolsterte Scheibe fallen: aus Mechanik wird Klang. Für seine Installation hat Marius Buck das Wissen der Renaissance mit ganz aktuellem zusammengebracht: Gesteuert wird die Installation über den digitalen Code eines Mikrocontrollers.

Für die Motivation, immer mehr wissen zu wollen, die uns als Neugier antreibt, hat Kyungju Kim mit ihrer Video-Arbeit ein überzeugendes Bild gefunden. Man sieht, wie sie sich nach einem Juckreiz am Körper anfängt zu kratzen und immer weiter kratzt: Der Impuls zu Kratzen funktioniert wie der Wissensdrang. Wenn man etwas erfahren hat, will man immer noch mehr wissen.

Das soll ein Kreis sein? Julia Gerhards lässt in ihrer Installation unser theoretisches Wissen darüber, wie ein Kreis aussieht auf die konkrete physische Form ihrer Arbeit prallen. Wir sehen einen Stapel mit vielen Blättern, auf die eine durchgehende Linie gezeichnet ist. Archiviert ist in diesem Stapel die Spur einer großen Kreisbewegung, die Julia Gerhards mithilfe eines überdimensionalen Zirkels auf einem im Kreis ausgelegten Blättern vollzogen hat.

 

Mit dem Wissen, das aus Erinnerungen und Träumen zu uns kommt, befassen sich die Arbeiten von Felicitas Zenke und Hwakyeong Kim. Felicitas Zenkes Gedicht „Der schale Geschmack bleibt“ handelt von dem schmerzhaften Moment, in dem uns ein Wissen, vor dem uns unsere eigene Erinnerung bewahrt hat, erreicht. Dadurch, dass es jemand anderes ausspricht ist es fortan unlöschbar in unserem Bewusstsein eingeschrieben. Das Kopfkissen in Hwakyeong Kims Installation „Newton‘s apple on my pillow“ verweist auf den Schlaf und den Zwischenbereich zwischen Wachen und Schlafen, in dem man versucht, sich an den Inhalt eines Traums zu erinnern. Man sammelt die Haare - Spuren eines wilden Traums? - und versucht vergeblich, mehr über den Inhalt des Traums zu erfahren.

Ist Wissen das, was im Internet steht? Jihoon Jungs Arbeit „Rudolf Henke Projekt“ besteht aus einem klassischen Wikipedia-Eintrag über den verstorbenen Komponisten Rudolf Henke. Die Biografie, die man über die interaktive Installation lesen kann, ist erfunden, die Musik, die man hört, stammt von einem anderen Komponisten. Der Fake-Eintrag legt offen, wie gefährlich groß unser Vertrauen in aktuelle Wissensspeicher und -plattformen ist. Auch Miriam Dockendorfs großformatiges Bild „What‘s it all about“ reflektiert unseren Umgang mit Informationen. Die Künstlerin ist in der Zeit der Pandemie zum „Informationsjunkie“ geworden. Ihr Bild ist aus dieser Lebenspraxis heraus entstanden. Aus der Flut an übermitteltem Wissen hat sie für sie interessante Partikel/Bilder ausgewählt und sie assoziativ mit anderen verbunden oder auch überschrieben.

Abbildungen